01. Februar 2012

Bayern braucht ein Luftverkehrskonzept

Flughafen MUC/Passagierbereich mit Vorfeldern. Quelle: FMG / Dr. Werner Hennies

Während am Flughafen München gegen den Widerstand der Anwohner eine weitere Startbahn durchgedrückt werden soll, kämpft der zweite bayerische Verkehrsflughafen Nürnberg mit Einbrüchen bei den Passagierzahlen und muss vom Freistaat mit millionenschweren Finanzspritzen gestützt werden. Faktisch gescheitert ist darüber hinaus die Illusion, durch massive Subventionen für die Regionallinie Hof – Frankfurt Strukturpolitik durch Luftverkehr zu betreiben. Bayern braucht endlich ein schlüssiges Luftverkehrskonzept, das vorhandene Kapazitäten bessern nutzt, Fehlinvestitionen vermeidet und darüber hinaus auch dem Lärm- und Klimaschutz Rechnung trägt. 

Im gültigen Landesentwicklungsprogramm (LEP) gibt es einige Aussagen zur Entwicklung des Luftverkehrs in Bayern. Ein schlüssiges Luftverkehrskonzeptes für ganz Bayern gibt es jedoch nicht. Zwischen den Flughäfen München (Anteil Freistaat 51 %) und Nürnberg (Anteil Freistaat 50 %) gibt es zurzeit praktisch keine Kooperation. Der Flughafen München soll gegen den entschiedenen Widerstand der Bevölkerung ausgebaut werden. Angesichts des Schuldenstands der FMG von gesamt rund 2,727 Milliarden Euro, davon 492 Millionen Euro bei den Gesellschaftern (Freistaat Bayern, Bundesrepublik Deutschland, Stadt München) darf angezweifelt werden, dass die FMG dieses Projekt aus eigener Kraft finanzieren kann. Zwischen der FMG und der Lufthansa gibt es eine Wachstumsvereinbarung, die unter bestimmten Bedingungen das erhoffte Wachstum bringen soll. 

Der Flughafen in Nürnberg befindet sich derweil in einer schwierigen Lage: Im Jahr 2011 sind die Flugbewegungen um 4,3 % zurück gegangen - der stärkste Rückgang, der bei den größeren (mehr als 50.000 Flugbewegungen p.a.) deutschen Flughäfen zu verzeichnen war (Quelle: Deutsche Flugsicherung). 2012 wird für die Luftfahrtbranche ein extrem schwieriges Jahr (u.a. wg. Wirtschaftsentwicklung, Schuldenkrise, hohe Treibstoffkosten etc.). 

Ein Luftverkehrskonzept für Bayern, welches eine Kooperation der Flughäfen München und Nürnberg zum Ziel hat ist überfällig. 

Ziele dieses Konzeptes müssen sein:

  1. vorhandene Kapazitäten besser zu nutzen
  2. Fehlinvestitionen zu vermeiden
  3. Subventionen zu streichen
  4. den Lärmschutz zu verbessern 
  5. wirksamen Klimaschutz zu realisieren.

Ein wesentlicher Punkt des Konzeptes soll sein, dass die Flughafen München GmbH und die Flughafen Nürnberg GmbH zu einer Flughafen Bayern GmbH zusammengefasst werden. Gesellschafter sollen Freistaat Bayern und Bund sowie die Städte München und Nürnberg entsprechend ihrer bisherigen Anteile bezogen auf die Gesamt-GmbH sein.

Wichtige Voraussetzungen für Erarbeitung des Konzeptes sollen sein:

  • Eine dritte Start- und Landebahn am Flughafen München wird nicht gebaut.
  • Der Flughafen München soll die interkontinentale Luftverkehrsanbindung ganz Bayerns und die nationale und kontinentale Luftverkehrsanbindung Südbayerns langfristig sicherstellen.
  • Eine zweite Start- und Landebahn am Flughafen Nürnberg wird nicht gebaut.
  • Der Flughafen Nürnberg soll die Luftverkehrsanbindung Nordbayerns sicher-stellen, soweit diese nicht durch den Flughafen Frankfurt gedeckt wird
  • Am Flughafen Nürnberg sind spätestens ab 2014 mindestens kostendeckende Landeentgelte durchzusetzen.
  • Die Staatsregierung setzt sich aus Gründen des Klimaschutzes für eine Besteuerung des Kerosins ein.
  • Der Freistaat Bayern gewährt Regionalflughäfen und Fluggesellschaften keine Betriebskostenzuschüsse. 
  • Investitionen zum Ausbau der Luftverkehrsinfrastruktur an Regionalflughäfen werden seitens des Freistaates Bayern nicht mehr gefördert.
  • Die Einzugsbereiche von außerbayerischen Flughäfen wie z.B. Frankfurt und Zürich sind zu berücksichtigen.

Weitere Informationen:

Quellennachweise:

  • Grafik „Gewerbliche Passagiere in Millionen“, Flughafen München Gesellschaft (FMG), Homepage
  • Grafik „Gesamtbewegungen in Tausend“, FMG, Homepage
  • Grafik „Marktanteile MUC 2004“, Präsentation Intraplan-Gutachten vor dem Nachbarschaftsbeirat, 26.10.2005 
  • Tabelle „Eckdaten der im Masterplan betrachteten Flughäfen“: Masterplan zur Entwicklung der Flughafeninfrastruktur zur Stärkung des Luftverkehrsstandortes Deutschland im internationalen Wettbewerb von: Deutsche Flugsicherung (DFS), Flughafen München GmbH, FraPort AG, Deutsche Lufthansa, Berlin, im Oktober 2004 (Seite 31)
  • Grafik „Abb. 5: 2 Erreichbarkeit des nächstgelegenen Verkehrsflughafen je Kreisregion“: ebd. Seite 22
  • Diagramme Flugbewegungen und Passagierzahlen am Flughafen Nürnberg, selbst erstellt auf Grundlage der Daten von den Jahresberichten der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV)
  • Grafik „Einzugsgebiet Flughafen Nürnberg“, selbst bearbeitet
  • Kartengrundlage Open Streetmap  www.openstreetmap.org
  • Tabelle „Einwohnerzahlen“, Bayerisches Landesamt für Statistik, Fortschreibung des Bevölkerungsstandes Stand 31.12.2010

 

Dr. Christian Magerl
Umweltpolitischer und tierschutzpolitischer Sprecher
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Sprecher für Verkehrspolitik und Demographie
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