München (sip). In den kommenden Schuljahren werden in Bayern noch mehr Lehrerstellen fehlen als bislang bekannt. Wie eine Schriftliche Anfrage des grünen Landtagsabgeordneten Adi Sprinkart zu Tage förderte, schlagen zusätzlich zu den bereits vielfach kritisierten Stundenausfällen auch die Folgen der so genannten verpflichtenden Arbeitszeitkonten zu Buche. Mit diesem Modell hatte die Staatsregierung Lehrkräfte ab 1999 zu Mehrarbeit verpflichtet, um sich damals die Einstellung neuer Lehrkräfte zu sparen und stattdessen den Schülerberg zu „untertunneln“. Lehrerinnen und Lehrer sollten demnach zunächst fünf Jahre lang eine Wochenstunde mehr unterrichten, dann drei Jahre lang ihr normales Stundendeputat erfüllen und schließlich fünf Jahre lang eine Stunde weniger unterrichten, um die Mehrarbeit auszugleichen. Ein ähnliches Modell gilt auch für Gymnasiallehrer.
Der Ausgleich dieser Arbeitszeitkonten summiert sich in den kommenden Schuljahren massiv: „Tausende von Lehrkräften in Bayern gleichen ihre geleistete Mehrarbeit aus und reduzieren ihre Arbeit um eine Wochenstunde“, erklärt Adi Sprinkart. Bereits in den vergangenen drei Jahren hatte sich der Ausgleich der Arbeitszeitkonten auf über 1100 Planstellen hochgerechnet. Wie das Kultusministerium auf Anfrage der Grünen errechnet hat, werden im Schuljahr 2010/2011 an den Hauptschulen 150 Lehrerstellen fehlen, an den Realschulen 120 und an den Förderschulen 80. Zeitgleich wechseln an den Gymnasien 260 Lehrkräfte von der Mehrarbeitsphase in die Normalarbeitszeit zurück. „Das bedeutet, dass im kommenden Schuljahr an allen Schularten weitere 610 Lehrerstellen fehlen werden“, schlägt der schulpolitische Sprecher Thomas Gehring Alarm.
Das Kultusministerium sorge unterdessen beim Thema Lehrermangel für Verwirrung und bemühe sich, die Stellen-Statistik schönzurechnen, kritisieren Adi Sprinkart und Thomas Gehring. „Kein Wort hat der Minister bislang verwendet, dass durch die Folgen des Arbeitszeitkontos noch weitere Lehrerstunden wegfallen. Wir fordern den Minister daher dringend auf, alle Fakten auf den Tisch zu legen und bei den bevorstehenden Haushaltsverhandlungen endlich Nägel mit Köpfen zu machen.“
