17. Februar 2012

Hochschulausschuss vertagt Entscheidung über Ausleihe von Dürer-Selbstbildnis

Selbstbildnis Albrecht Dürer im Pelzrock

Der Hochschulausschuss verschob einstimmig die Entscheidung über die Ausleihe von Dürers „Selbstbildnis im Pelzrock“ auf seine nächste Sitzung in drei Wochen. Dann sollen die ChefkonservatorInnen der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg erläutern, ob das Bild nicht doch ausleifähig ist. Damit ist entgegen den Meldungen, die Staatsminister Heubisch verbreiten ließ, der Streit um die Ausleihe des Pelzrockgemäldes noch nicht abschließend geklärt.

Das Nürnberger Museum wollte das bedeutende Bildnis aus der Alten Pinakothek in seiner Ausstellung „Der junge Dürer“ zeigen. Von der National Gallery of Art in Washington, den Uffizien in Florenz, dem British Museum in London bis zum Pariser Louvre haben Museen aus aller Welt Nürnberg Leihgaben zugesichert – nur München verweigert sich. Wie Staatsminister Heubisch und der Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen Klaus Schrenk im Ausschuss berichteten, habe eine eingehende Untersuchung ergeben, dass das Holztafelgemälde nicht transportabel sei, außerdem stehe es auf einer Sperrliste von Bildern, die prinzipiell nicht verliehen werden. Einräumen musste Schrenk, dass sein Vorwurf an Nürnberg, München habe das Bild bei seiner letzten Ausleihe 1971 mit einem Riss zurückerhalten, falsch war: In Wirklichkeit stammt der Schaden schon aus den Jahren vor 1934. 

Der kulturpolitische Sprecher Sepp Dürr widersprach der Argumentation von Schrenk: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“, so Dürr. Das Urteil der Konservatoren wirke wie bestellt. Warum wurde die Untersuchung erst jetzt - vor der Landtagsentscheidung und nachdem der Druck der Öffentlichkeit nach Ausleihe immer größer wurde – durchgeführt und nicht direkt nach dem Ausleihebegehren des Germanischen Nationalmuseums? Ist auszuschließen, dass der Konservator des Germanischen Nationalmuseums nicht eingeknickt ist, weil Nürnberg es sich nicht mit dem Ministerium und den Staatsgemäldesammlungen verderben wolle? Für Dürr ist auch der Verweis auf die Sperrliste nicht zwingend: Kriterium müsse sein, wo Bayerns Bilder am besten zur Wirkung kommen. Das aber kann nicht der Vertreter einer staatlichen Institution bestimmen, sondern sei politisch zu entscheiden.

Dr. Sepp Dürr
Kultur- und forschungspolitischer Sprecher
Tel: 089/4126-2733
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